Systemische Ursachen für die schlechte Verwaltung von Wohnungseigentum – Teil 2

Eine systemische Ursache für die schlechte Verwaltung von Wohnungseigentum liegt meiner Meinung nach in der Natur der “Dienstleistung” begründet. Viele Menschen können instinktiv zwar grundsätzlich zwischen Gütern und Dienstleistungen unterscheiden, aber für den Begriff der Dienstleistung gibt es keine allgemein gültige Definition; es gibt zudem viele unterschiedliche Arten von Dienstleistungen, die auf unterschiedliche Weise kategorisiert werden können.1

Wenn in einem Vertrag zwischen einer Hausverwaltung und einer Eigentümergemeinschaft die zu erbringenden Dienstleistungen nicht exakt definiert werden, ist so eine vertragliche Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da die Vertragsparteien unterschiedliche Erwartungen an diese vertragliche Beziehung haben. Man darf auch nicht vergessen, dass die Eigentümerinnen und Eigentümer einer Eigentümergemeinschaft in den meisten Fällen zudem unterschiedliche Ansichten darüber haben, was eine “gute” oder “schlechte” Dienstleistung ausmacht.

Werfen wir also erst einmal einen genaueren Blick auf den Begriff der Dienstleistung:

Es gibt Dienstleistungen, die nicht individualisiert werden müssen und bei denen es keine Interaktion,  d. h. keine Mitarbeit mit den Kunden bei der Erbringung der Dienstleistung gibt. Beispiele dafür wären die Dienstleistungen von Polizei oder Feuerwehr. Wir alle finanzieren mit unseren Steuern die Erbringung dieser Dienstleistungen, aber einzelne Bürgerinnen und Bürger verhandeln nicht mit Polizei oder Feuerwehr, wie die zu erbringende Dienstleistung im Detail ausschauen soll. Die Polizei verhindert Verbrechen und klärt sie auf; wenn es brennt, löscht die Feuerwehr den Brand. Niemand von uns hat mehr oder weniger Anspruch als sein Nachbar auf Umfang oder Qualität dieser Dienstleistungen.

Am anderen Ende des Spektrums stehen Dienstleistungen mit einem hohen Individualisierungsgrad und einem hohen Grad an Interaktion. Solche Dienstleistungen können nur dann erbracht werden, wenn die Kunden an der Erarbeitung der Definition und an der Erbringung der Dienstleistung mitarbeiten.

Die Dienstleistung der “Hausverwaltung” befindet sich an diesem Ende des Spektrums. Der Gesetzgeber macht relativ wenige Vorschriften, wie die Dienstleistung der “Hausverwaltung” auszusehen hat. Der weitaus größte Teil der Tätigkeiten muß zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt werden. Eigentümergemeinschaften müssen also die Tätigkeiten genau auflisten, die erbracht werden sollen (= hoher Interaktionsgrad), und sich vorher darüber einigen, wie die Tätigkeiten definiert werden sollen (= hoher Individualisierungsgrad).

Wenn das nicht gemacht wird, können Hausverwaltung in der Regel nach Lust und Laune handeln, und ihr Handeln wird nur durch gesetzlichen Minimal-Vorschriften geregelt.

Wenn Eigentümergemeinschaften bzw. einzelne Eigentümerinnen und Eigentümer sich darüber beschweren, dass ihre Hausverwaltung “schlecht” arbeitet, sind in vielen Fällen die Eigentümerinnen und Eigentümer also selbst daran Schuld: Denn sie haben sich vor dem Vertragsabschluß nicht darum gekümmert, ihrer Hausverwaltung exakte, rechtlich verbindliche Vorgaben zu machen. In vielen Fällen haben sich Eigentümergemeinschaften nicht einmal – durch Abstimmungen  – darüber geeinigt, was sie eigentlich wollen.

Fazit: Wir Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer sind in vieler Hinsicht selbst daran Schuld, wenn Hausverwaltungen schlechte Arbeit leisten. Die Dienstleistung “Hausverwaltung” erfordert einen hohen Grad an Interaktion zwischen der Hausverwaltung und den Eigentümerinnen und Eigentümern und einen hohen Grad an Individualisierung. (Ich denke mir, dass in vielen Fällen eine intensive Interaktion zwischen Eigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen sowie strikte Vorgaben durch die Eigentümergemeinschaft von vielen Hausverwaltungen wahrscheinlich gar nicht erwünscht sind – aber das ist ein ganz anderes Thema, dem ich mich in zukünftigen Artikeln widmen werde.)

Wenn Eigentümergemeinschaften sich nicht laufend um ihre Agenden kümmern und wir glauben, dass wir alle Verantwortung für unsere Liegenschaften auf unsere Hausverwaltungen überwälzen können, dürfen wir uns nicht wundern, wenn unsere Liegenschaftenen schlecht verwaltet werden.

Wir müssen uns viel mehr einmischen, und unseren Hausverwaltungen viel mehr und vor allem explizite, rechtlich verbindliche Vorgaben für ihr Handeln machen. Kurz und gut: Wir müssen unsere Hausverwaltungen an die Kandare nehmen und ihre Handlungsfreiheiten einschränken.

Das kann und muß bereits vor dem Abschluß von Verträgen erfolgen, indem die Vertragstexte von den Eigentümergemeinschaften – und nicht von den Hausverwaltungen ! – ausgearbeitet und formuliert werden, aber auch laufend während des Jahres, indem die Eigentümergemeinschaften über diverse Agenden abstimmen.

In den meisten Fällen – so auch in meiner eigenen Liegenschaft – wird allerdings nur selten und über viel zu wenige Dinge abgestimmt. Ich beabsichtige deshalb in meiner eigenen Liegenschaft, wo ich 0,74% der Liegenschaftsanteile besitze, in den nächsten Monaten selbst eine Abstimmung zu organisieren und meine Miteigentümerinnen und Miteigentümer über verschiedene Aspekte der Dienstleistung “Hausverwaltung” abstimmen zu lassen. Über diese Erfahrungen werde ich in zukünftigen Artikeln ausführlicher berichten.

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Fußnote 1: Vgl. z. B. Bruhn, M., Meffert, H. & Hadwich, K. (2019). Handbuch Dienstleistungsmarketing. Planung – Umsetzung – Kontrolle (2. Aufl.). Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 23-45.

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Systemische Ursachen für die schlechte Verwaltung von Wohnungseigentum – Teil 1

In einem Artikel in der Tageszeitung “Die Presse” wurden vor einigen Jahren von Christian Lenoble die schlechten Imagewerte von Hausverwaltungen angesprochen, die unter anderem mit dem mangelnden Kommunikationsverhalten und der Intransparenz der Verwaltungstätigkeit in Zusammenhang gebracht wurden. Weitere Schlagworte waren die Erreichbarkeit, die Dienstleistungsorientierung, versteckte Provisionszahlungen oder das unseriöse Abwickeln von Zusatzgeschäften durch Hausverwaltungen.

Selbst Hausverwaltungen üben Kritik an der eigenen Branche, so z. B. die “Hausverwaltung Vorarlberg”, die auf “wiederkehrende Probleme” hinweist – was nichts anderes bedeutet, als dass viele Eigentümergemeinschaften mit ähnlichen Problemen kämpfen. Als Beispiele für solche wiederkehrenden Probleme wurden mangelhafte Kommunikation, fehlerhafte oder verspätete Abrechnungen, Versäumnisse bei Instandhaltung und Wartung, intransparente Entscheidungsprozesse, unprofessionelle Eigentümerversammlungen und eine hohe Fluktation des Verwaltungspersonals genannt.

Auch die LIM-Management Immobilienverwaltung listet ähnliche “Alarmzeichen” auf, und fragt sogar: “Woran erkenne ich eine unseriöse Hausverwaltung“: “Versteckte Provisionszahlungen, unseriöses Abwickeln von Zusatzgeschäften, mangelnde Einbindung der Wohnungseigentümer in sämtliche Prozesse, mangelnde Nachvollziehbarkeit der Arbeitsschritte, mangelnde Kommunikation, mangelnde Dienstleistungsorientiertheit, Arroganz und „falsch geglaubte Sicherheit“ der Hausverwaltung (weil Sie annehmen, dass eine Abwahl den Eigentümern „eh zu mühsam ist“)” werden als relevante Alarmzeichen aufgelistet.

Wenn viele Eigentümergemeinschaften gleiche oder zumindest sehr ähnliche Beschwerden über die Qualität der Arbeit ihrer Hausverwaltungen haben, hat das systemische Gründe. Die Qualität der Dienstleistungen von Unternehmen der Hausverwaltungsbranche wird langfristig aber nur dann besser werden, wenn solche systemischen Gründe thematisiert und Lösungen für eine Vielzahl an immer wiederkehrenden Problemen gesucht werden.

Die Unternehmen der Hausverwaltungsbranche werden an so einer Ursachenforschung allerdings kaum Interesse haben, da das Resultat so eines Prozesses ja die Stärkung der Position von Eigentümergemeinschaften bei einer gleichzeitigen Schwächung der Position von Hausverwaltungsunternehmen sein wird.

Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnungseigentum, die mit der Hausverwaltung ihrer Liegenschaft unzufrieden sind, sind somit auf sich alleine gestellt und müssen selbst an der Beseitigung von systemischen Ursachen für schlechte Hausverwaltungs-Dienstleistungen arbeiten. Die Situation wird dadurch erschwert, dass Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer in Österreich nicht gemeinschaftlich organisiert sind. Ich kenne z. B. keine einzige bundesweite Organisation, die ausschließlich die Interessen von Wohnungseigentümerinnen und -eigentümern vertritt.

Mit meiner Artikelserie will ich Einblick in die aktuelle Situation geben und Lösungsansätze aufzeigen. In dem nächsten Artikel dieser mehrteiligen Serie über die systemischen Ursachen für schlechte Leistungen von Hausverwaltungen in Österreich werde ich einen genaueren Blick auf den Begriff der “Dienstleistung” werfen.

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Vegan Vienna: 2025 Food Trends

I’ve been chronicling developments in the vegetarian restaurant scene in Vienna, Austria, since 2014 when I published the first edition of “The Vegan Tourist: Vienna.” I subsequently published an updated 2nd edition as well as a German-language edition to this restaurant guide book in 2016. While I was researching restaurants in 2019 for yet another updated edition, I realised that too many restaurants stayed in business only for a few years, some only for a few months, and I abandoned further plans to update the book. I now keep a record of vegetarian restaurant openings and closings in Vienna on this website. You can find the list here.

Over the course of the last 10+ years, I’ve become very good at predicting a restaurant’s potential for success and have anticipated many restaurant closures after just one visit. Here are my expectations for the coming years in regard to vegan food trends in Vienna:

© Ingrid Haunold

1) Small Middle Eastern take-away restaurants/cafés are becoming ever more popular. They are popping up all over the city, and it’s no surprise. Mostly, these are tiny businesses, so the proprietors are able to keep overhead costs down. The food is moderately priced. As many people can no longer afford to visit traditional restaurants due to the seemingly ever-increasing inflation, these Middle Eastern take-away joints have become very popular. One such example is Jaffa Street Food located in Vienna’s 20th district, where I paid less than 10.00 Euros for a plate of food with bread.

2) Small vegetarian Turkish Çiğ Köfte take-away restaurants/cafés are also popping up all over the city. Until recently, the Oses Çiğ Köfte restaurant chain seemed to dominate the market in Vienna, but other chains like Ruhlo or Komagene have opened restaurants/cafés in various Viennese districts. As the Çiğ Köfte and other dishes are moderately priced, these take-away businesses seem to thrive in a difficult economic environment.

3) One food trend which seems to have peaked concerns vegetarian Burgers. Swing Kitchen, which I love, opened several restaurants over the course of a few years; but the company has now run into financial difficulties. The chain’s holding company, the Schillinger Vegan Holding, recently filed for insolvency, and now needs to close a few restaurants in order to survive. I am confident that Swing Kitchen will continue to thrive in the long-term, and am not worried about this restaurant chain’s survivial; but several other Burger restaurants opened and closed during the last few years, e. g., “I love Veggie Burger,” “Space Burger,” “Flip n Dip,” or “Vegan Junk Punk.” These restaurants offered other foods as well, but Burgers featured prominently on the their menus. It would appear that the market is saturated, and vegetarian customers have become tired of eating at restaurants which offer mostly Burgers and similar fast food fare (i. e., sandwiches or wraps ).

© Ingrid Haunold

4) Another food trend which seems to have peaked concerns restaurants which focus on selling açaí bowls or smoothies. For a few years, the açaí berry was hyped – over-hyped, I think – as a magical ingredient to maintain one’s health by journalists, bloggers, and social media influencers; but it seems that the public have moved on. The vegetarian Superfood Deli chain still operates three cafés in Vienna, but two of its cafés (at Operngasse in the 4th district and at Lerchenfelder Straße in the 7th district) are no longer in business. Another international chain, Oakberry, so far only managed to entice one franchisee into opening an Oakberry branch in Vienna, which is located in the 1st district. The Viennese proprietors only have social media accounts, and no website of their own. Their Facebook account showed 13 “followers” on August 10, 2025 – for a business which opened at the end of 2023. In my opinion, the açaí smoothie/bowl trend has peaked. I expect these restaurants to stay in business, but do not expect many more openings of similar restaurants/cafés.

3) Another trend which seems to have peaked concerns “bowls” of all kinds which were marketed as quick and healthy food options. For a while it seemed as if restaurants and cafés were popping up all over the city which offered mostly mixed salads, wraps, and sandwiches. The mixed salads were marketed as “bowls.” Some cafés and restaurants which mainly focus on healthy foods seem to be struggling. Prominent examples are the two The LaLa locations in Vienna’s 7th district, which were eventually closed down. The primary restaurant had no customer bathrooms, and the other was just a small take-away store; both offered bowls and other simple, mostly healthy dishes. In an interview with Leadersnet Österreich, Cecilia Havmöller, who owns “The LaLa” brand with her sister Susanne Paller, talked about the reasons for “The LaLa’s” failure in Vienna: the COVID pandemic, and significant shifts in the workplace environment since the pandemic; more and more businesses offer their employees the opportunity to work from home at least a few days per week. This led to a significant decrease in revenue during lunch hours. “Quick and healthy” as a food concept no longer seems to guarantee success, and these days, a variety of vegan mixed salad bowls, wraps, and sandwiches can be bought at most supermarkets at cheaper prices than at restaurants. (Please note: two new “The LaLa” stores were subsequently opened at the Vienna International Airport, but are located past the check-in counters and can therefore only be accessed by customers with boarding passes.)

4) Vegetarian or vegan restaurants which offer Asian food are thriving: There are now three vegan Vietnamese Vevi locations in Vienna; Xu`s Cooking has been in business for many years and continues to do brisk business, especially during lunch hours due to their popular lunch buffet. The vegan Taiwanese restaurants Vegetasia and Formosa, as well as two Loving Hut restaurants (in the 7th and 10th districts) have also been in business for a long time. Newcomers are Tau, Veggico, Uudam, Lin’s Veggie Dumplin’Vina Vegana, Hi Vegan, and Shiyu; they are all welcome additions to the vegetarian restaurant scene in Vienna. With the exception of “Uudam”, which is a small restaurant, all have customer bathrooms. “Hi Vegan” is a small restaurant, geared mostly towards the lunch crowd with a communal high table and bar stool seating (in addition to a couple of chairs and tables); but all the other vegetarian Asian restaurants are restaurants with proper chairs and tables, and some of them also have outdoor patio seating. Some don’t have liquor licences, which doesn’t seem to affect their popularity; I don’t care either.

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